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Der Glienicker Weinberg

Ausschnitte aus seiner Geschichte
 

wenn er berichten könnte, wäre es leichter ...

 

Wie der Name schon sagt, war der Berg in älterer Zeit ganz mit Reben bepflanzt, und taucht als Weinberg schon früh in Verzeichnissen der Rechte und Pflichten der Dorfschaft Glienick auf. Sicher war dieser Wein ein sehr herber (trockener) Riesling. Nach überlieferten Erzählungen sollen zirka 3 Morgen Wein angebaut worden sein, davon war bis vor 10 Jahren immer noch ein Rebstock mit blauen Trauben erhalten.
Heute sind seine Hänge, soweit noch vorhanden, zum großen Teil mit Kiefern bedeckt, und auch der Rest des plateauartigen Gipfels ist noch bewachsen.
Wilhelm Reichner, ein wanderfreudiger Heimatforscher, überlieferte uns exakte Schilderungen aus Kultur und Geschichte des Kreises Teltow. Besonders bekannt geworden ist sein Weg von Dabendorf zur Jühnsdorfer Heide, bei dem er auch den Glienicker Weinberg bestieg und nach Beschreibung des umfassenden Rundblicks von dem um 1924 noch auf dem Gipfel erhaltenen geodätischen Anlagen erzählte.
Die weite Aussicht erklärt sich weniger aus der Höhe von 88 Meter, als aus der zentralen Lage und dem Fehlen anderer Bergformationen in der Nähe.
Infolgedessen bietet sich von hier eine Aussicht, die an klaren Tagen einen Umkreis von 60 km Durchmesser umfaßt und die es ermöglicht, noch Einzelheiten im Süden Berlins festzustellen.
So wird die Bedeutung verständlich, die der Weinberg um 1845 erhielt und die seinen Gipfel zu einem in Fachkreisen des 19. Jahrhunderts häufig behandelten Punkt machte.
Als zu Anfang der 1840-iger Jahre eine Vermessung an preußischen Küsten und ihres Hinterlandes erfolgte, wurde auch die Umgebung von Berlin einbezogen und zur "Berliner Grundlinie" in Beziehung gebracht. Das geschaffene Netz von Festpunkten entsprach etwa dem Gebiet des alten Kreises Teltow. Die Übersichtsskizze zeigt uns, daß die Station Glienick im Mittelpunkt des Systems lag.

Preußen Kartierung Vermessung
Durch die Mittelpunktlage der Station "Glienicker Weinberg" und durch die gute Fernsicht wurde der Weinberg zum Hauptpunkt der Küstenvermessung.
Da 1887 auf dem Weinberg inzwischen die Sicht im Norden und Osten durch Hochwald verwachsen war, wurde ein astronomischer Holzpfeiler errichtet und zwar mit einer Höhe von 8 Meter. Dieser wurde aber später durch einen Pfeiler aus Backsteinen ersetzt. Nach einer Federzeichnung von Wilhelm Reichner (1924) hatte das neue Vermessungsgerüst eine beachtliche Höhe von 40 Meter, so daß der oberste Absatz stets leicht schwankte.

Astronomischer Holzpfeler

1924 war dieses Gerüst aber schon nicht mehr besteigbar. Es wurde dann abgetragen und über dem Boden ein eingelassener Granitstein lotrecht errichtet. Der etwa 1,5 m hohe astronomische Pfeiler aus Steinen, der einen Leuchtbolzen trug, ist vor längerer Zeit von unverständlichen Menschen umgestürzt worden, sie ahnten nicht, daß sie damit ein technisches Kulturdenkmal beschädigten, das in der Vermessungsgeschichte Preußens und unserer engen Heimat für immer einen Platz haben sollte.
Wir, die heutige Generation, kennen den Weinberg nicht mehr in seiner alten Schönheit. Wer heute den Weinberg besteigen möchte, sollte dies von der bewaldeten Nordseite tun. Hier ist noch ein Hauch der alten Schönheit zu erkennen. Von der Südseite kommend, erblicken wir eine gewaltige Kiesgrube mit einer Fläche von etwa 5,8 ha.
Die Kiessandlagerstätte Weinberg steht bereits seit vielen Jahren im Abbau.

Kiesabbau Karte

Die Lagerstätte "Glienicker Weinberg" befindet sich im Hinterland der Eisrandlage des Brandenburger Stadiums des Weichsel - Glazials auf einer Hochfläche. Die Lagerstätte baut sich aus mehreren Dekametern, mächtigen Sanden bis Kiessanden auf. Durch die Nähe zur Maximaleisrandlage des Brandenburger Stadiums ist die Ablagerung von Kiessanden und damit Genese der Lagerstätte im Zusammenhang mit Endmoränenbildung zu sehen. Es handelt sich vorwiegend um fluviatile bis glazifluviatile pleistozäne Kiessande. Ein von NordWest nach SüdOst verlaufendes Niederungsgebiet begrenzt im Norden und 0sten die Hochfläche und ist Teil des Berliner - Urstromtals (Gebiet nördlich Zossen).
Die Nuthe - Notte - Niederung ist durch einzelne Hochflächenbildungen unterbrochen. Auf eine dieser Hochflächen zwischen Glienick und Groß Schulzendorf befindet sich der Weinberg.

1929 wurde ein Teil des Weinberges verpachtet, um das Kiesvorkommen auszubeuten. Zuerst wurde der Kies mit der Schippe in Loren geladen und mit einer kleinen Zugmaschine auf Schienen zu einer Rampe gebracht, wo er auf Lastwagen gekippt wurde.
1939 mußte der Pächter die Kiesgrube an eine Firma abgeben, die der Organisation Todt angehörte. Diese Organisation baute schon 1940 Luftschutzbunker für die Berliner Bevölkerung. Es war ja Krieg. Der Kiesabbau ging jetzt schneller vor sich. Es wurden große Bagger eingesetzt und die Wehrmacht stellte die Autos für den Transport.
Nach 1945 wurde dann noch kaum Kies abgefahren. Als 1953 die LPG gegründet wurde, ging mit der Mitgliedschaft des einzigen Anwohners auch die Kiesgrube in Besitz der LPG über.
1961 erbte Paul Kroll jun. eine Wirtschaft im Ort und zog ins Dorf. Die LPG vermietete das Gehöft am Weinberg. Leider wurde dieses Haus, bei zeitweiligem Leerstand, demoliert und schließlich zum Abriß verkauft. Damit ist auch ein schönes Ziel zum Sonntagsspaziergang verloren gegangen. Fast der ganze Obstbaumbestand wurde gerodet, von dem ganzen Gehöft ist nichts mehr übrig geblieben und die Erinnerung an dieses Idyll geht mit den alten Menschen zu Ende.


Sehr unterschiedlich und interessant sind Überlieferungen aus alten Zeitepochen des Glienicker Weinberges.

Hierzu einiges Wissenswertes:

Der Weinberg wurde 1872 von dem Besitzer des Gutes Werben verkauft. Festlegungen im Hypothekenbrief sind auch für unsere Zeit sehr aufschlußreich.

Preußischer Hypothekenbrief

So wurde dem Verkäufer und dessen Ehefrau lebenslängliches Altenteil unentgeldlich gewährt. Einige besonders aufgeschriebene Punkte sagen aus:

•    zur Wohnung die ausschließliche Benutzung der kleinen Stube nebst der daran gelegenen Kammer in dem Weinmeisterhaus
•    freier Zugang zu allen Räumlichkeiten des genannten Hauses, allen Gärten und Feldern des Käufers
•    den ersten Sitz auf der Ofenbank in der Wirtsstube
•    Mitbenutzung der Küche und des Backofens
•    freies kleingemachtes Holz zum Kochen, Heizen und Backen
•    freie Aufwartung und Pflege in gesunden und kranken Tagen

Aus dem Original:
Altenteil

STOP für Kiesfahrzeuge !

Am 13. und 14. Mai 1990 demonstrierten etwa 70 Bürger der Gemeinde und forderten Maßnahmen zur Erhaltung des heimatlichen Landschaftsbildes und des noch weithin sichtbaren Glienicker Weinberges.
25 private Personenkraftwagen blockierten alle Zufahrtsstraßen. An diesem Wochenende wurden somit keine Baufahrzeuge zum Weinberg zwischen Glienick und Groß Schulzendorf durchgelassen.
20 beteiligte Kieswagenfahrer mußten diesmal ohne Beladung die Gemarkung Glienick wieder verlassen.
Mit diesem symbolischen Stop machte man darauf aufmerksam, den weiteren Kiesabbau einzustellen um somit diesen Weinberg der schönen märkischen Landschaft zu erhalten.
Diese Bürgerinitiative wird nun auch durch das Amt für Natur- und Landschaftspflege unterstützt. Es erhebt auch große Bedenken gegen einen etwaigen weiteren Kiesabbau im Landschaftsschutzgebiet "Glienicker Weinberg" und im Erholungswald südlich des genehmigten Golfplatzes Groß Schulzendorf.
Auch weisen wir darauf hin, so heißt es in einem Schreiben vom 12.09.1991, daß der international bedeutsame Kranichbrutplatz im einstweilig sichergestellten Naturschutzgebiet "Rangsdorfer See" nur 1 km entfernt ist und daß die unmittelbar angrenzende Nuthe - Notte - Niederung mit Zülowgraben geplantes Landschaftsschutzgebiet ist, in das der Glienicker Weinberg miteinbezogen ist.
Schon 10 Tage nach dem Einsatz Glienicker Bürger am Weinberg wurde mit allen Verantwortlichen ein Lokaltermin in der Kiesgrube durchgeführt. Ein Vertreter des augenblicklichen Nutzers, das ACZ, ( AGRO-Chemisches Zentrum ) erläuterte den Standpunkt des Betriebes und die Form des bisher getätigten Kiesabbaues und die der Folgearbeiten zur Erhaltung des Weinberges.


Hierzu einige Auszüge der Festlegungen aus dem Protokoll zum Lokaltermin:

•    Schaffung einer Aussichtsplattform am verbleibenden höchsten Punkt des Berges,
•    Herstellung der Sicherheit an den vorhandenen Böschungen,
•    Schaffung einer Skiabfahrtsschneise,
•    Hinterlassen einer Badestelle, wenn es die Wasserwirtschaftlichen- und Sicherheitsbestimmungen zulassen,
•    Schaffung von Baumbepflanzungen, die eine Aussicht in Richtung West, Süd und Ost nicht beeinträchtigen,
•    Erhaltung des Steilhanges an der Westböschung als Domizil für die etablierten Uferschwalben,
•    Befestigung der Zufahrtstraße in Richtung Groß­Schulzendorfer-Straße zur Verringerung der Lärm- und Staubbelästigung für die Anlieger.


Also doch kein Todesurteil !

Diese guten Vorsätze lassen hoffen, daß der Glienicker Weinberg auch späteren Generationen erhalten bleibt. Nun aber mit ganz anderen Nutzungsformen.
Wann werden wir wohl die ersten Sonntagsspaziergänge in diesem neu erschlossenen Erholungsgebiet unternehmen?
Wann erfolgt das erste Bad im klaren Kiessee?
Wann die winterlichen Freuden auf der Skipiste?

Wichtig aber ist der Erhalt der Natur.
Wünschen wir uns allen einen guten Anfang und eine schnelle Realisierung der beschlossenen Konzeption.

...

Zusammengestellt von G. und B. Sablon in den 1990-er Jahren, Glienick

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